Was ich beim Mountainbiken über das entspannte Verwirklichen meiner Ziele gelernt habe

Was kann man bei einer Mountainbike-Tour schon fürs Leben lernen? Außer vielleicht, dass der Hintern trotz Spezialhose nach einer Stunde bereits zu schmerzen beginnt? Ich habe bei einer Feierabendrunde dennoch eine richtig schöne Einsicht mitgenommen. Mir wurde ganz konkret klar, wie ich meine Ziele und Visionen auf eine entspannte Art erreichen kann. Mit der wohl einfachsten Strategie der Welt.

Die Hose mit dem gepolsterten Popo-Schoner sitzt wie angegossen. Das atmungsaktive High-Tech-Schweiß-Weg-Trikot mit dem aufgenähten Bananenfach auf dem Rücken bekleidet meinen Oberkörper. Der von allen möglichen Instituten zertifizierte Ultra-Protection-Helm und die entspiegelte UV-Schutz-Spezialbrille sind perfekt justiert. Mein Mountainbike mit der Rockshox-Federgabel, der 24-Gang-Shimano-XT-Schaltung und der spritzwassergeschützten Outdoor-Klingel steht knurrend bereit. Ich klicke den linken und den rechten Fuß in die Pedale ein. Ein Doppelklick sozusagen. Einmal kurz durchatmen, mit den Fäusten entschlossen auf die Brust trommeln und die Show beginnt.

Ready to rumble

Der Kenner weiß, was jetzt ansteht: Eine Mountainbike-Tour durch das Hügelland, das sich sanft vor meiner Haustür ausbreitet. Zu allem bereit. Kein Risiko zu groß. Na ja, Risiko ist in dieser eher unspektakulären Landschaft kaum angesagt. Aber dennoch: Roh. Männlich. Schweißtreibend. Ein Sport, der geradezu für mich erfunden wurde.

Die ersten Singletrails sind nichts für schwache Nerven. Bei 7 Prozent Steigung waghalsig zwei, drei Baumwurzeln gekonnt ausgewichen. Das ist ganz großer Sport. Ähm … Na ja … Es ist zumindest konkreter, als auf der Spielkonsole. Dann wieder etwas entspannteres Strampeln mit schönen, tiefen Blicken auf die Donau. Doch langsam beginnt mein Herz zu beben. Mir ist völlig klar, dass dies nur die Ruhe vor dem großen Sturm ist.

Schlagartig baut er sich vor mir auf. Groß und mächtig. Schicksalsträchtig. DER BERG.

Für einen Flachlandtiroler, wie ich einer bin, kann man es als »Berg« bezeichnen. Ein Alpenländler würde wahrscheinlich sagen: Welcher Berg? Für mich ist es jedenfalls eine Herausforderung, über unwegsames Gelände ca. 75 Höhenmeter einen Waldhügel hochzufahren. Bei meiner aktuellen Fitness ist das dann eher die Kategorie »Free-Solo durch die Eiger Nordwand«.

Unerschrocken und entschlossen lege ich los. Die ersten Meter gehen noch ganz gut. Stets fixiere ich das Ende des Anstiegs, den Gipfel des Berges. Die Mutter aller Ziele (zumindest in diesem Moment), das ich so immer klar vor Augen habe. Da merkt man gleich: Da hat wer beim Lesen der Psycho-Kolumne in der Fernsehzeitung richtig gut aufgepasst.

Allerdings drängt sich der ein oder andere Gedanken auf: »Was? Noch so weit?« Eine anfängliche Resignation vergiftet auf subtile Weise meinen Motivationshaushalt.

»Wieso tue ich mir das an? Ich könnte doch gerade so gemütlich Downhill-Clips auf YouTube kucken. Und Katzenvideos. Sollen sich doch andere abrackern!« Aber der Kämpfer in mir sagt: »Männer geben nicht auf, du Warmduscher.«

Dann brauche ich erst mal eine Pause. Ausgelaugt und psychisch angeknackst hocke ich mich auf den Waldboden und schlürfe das erste Power-Gel und knabbere an einem High-Performance-Energy-Riegel.

Die große Eingebung

Dann geschah es. Ich weiß nicht, was es war. Vielleicht war es eine göttliche Eingebung, vielleicht ein zufälliger Gedankenpups. Vielleicht blieb es auch einfach nur unterbewusst von einem Kalenderspruch hängen: »Fixiere dich nicht auf dein Ziel, bleibe im JETZT. Doch wisse, wo du hinwillst.«

Dieser Gedanke hat etwas in mir bewegt und ich schwang mich sogleich wieder aufs Rad. Doch dieses mal blickte ich nicht störrisch auf den Gipfel. Ich blickte nur auf die nächste Wegstrecke. Meter für Meter. Baumwurzel für Baumwurzel, über die ich mich den »Berg« hochschob. Ich kann dir noch nicht einmal sagen warum, aber mit diesem veränderten Fokus war plötzlich wieder die Freude am Tun und deutlich mehr Zuversicht mit an Bord.

Du kannst es dir sicher denken: Plötzlich war ich auf diesem beschissenen Berg und ich hatte es noch nicht einmal gleich realisiert. Juhu.

Was das nun mit dem entspannten Verwirklichen von deinen persönlichen Zielen zu tun hat? Ich denke mal, du hast es bemerkt. Meine Texte lesen ja keine gehirnamputierten Vollpfosten, sondern Menschen mit Nivea. Äh… Niveau meine ich natürlich.

Die Moral von der Geschichte

Doch gerne – da wir gerade so sportlich beisammen sind – stelle ich dir meine Sichtweise dar: Viel zu häufig fixieren wir uns auf das Erreichen des ultimativen Ziels und bemerken gar nicht, welche Möglichkeiten uns das Leben HIER und JETZT bietet. Was gerade JETZT los ist.

Und das hat Konsequenzen:

  • Das spielerische geht dadurch oft verloren.
  • Es macht uns in einer gewissen Hinsicht betriebsblind.
  • Das Vorhaben wird oft zu einem Kampf.

Und glaube mir: Ich bin in diese Falle nicht nur einmal getappt. Allerdings hat das auch noch einen anderen Aspekt: Mit der Fixierung auf das große Ziel, kann das schon den kleinsten Handlungsimpuls im Keim ersticken. »Was? Den Weg zu diesem Ziel starten? Oh weh … Ganz schön weit weg und schaut ganz schön schwierig aus.«

Wir unterschätzen dabei die Macht von kleinen, kontinuierlichen Schritten. Wir unterschätzen das Leben selbst, dass es auf uns zukommt, wenn wir uns auf das Leben zubewegen. Und ganz viel »Leben« steckt nun mal im Verwirklichen von unseren innigsten Wünschen, Träumen und Visionen.

Na? Habe ich dich gerade beim Gähnen erwischt? Du findest diesen Tipp genauso neu, wie die Erkenntnis, dass es das Christkind doch nicht gibt?

Ja, das stimmt. Jeder fünfte Spruch auf meinem Wandkalender mit dem Buddha-Bild vorne drauf, geht im weitesten Sinne um diesen Spirit: Lebe im Hier und Jetzt. Nur: Ging es bei dir schon in Fleisch und Blut über? Wo ist dein Fokus die meiste Zeit? Wo ist deine Aufmerksamkeit? Bist du manchmal entnervt, dass deine Ziele noch so weit weg sind?

Mein Tipp: Übe dich in Selbstbeobachtung und Achtsamkeit. Das kann man z. B. auch ideal mit dem DranbleibTool dranbleiben 2.0 trainieren. Ich mach das mittlerweile seit ca. 2 Jahren. Und ich hab seitdem DEN BERG mehrmals bezwungen. 🙂

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